Wirecard-Serie – Compliance und IKS

Compliance, CMS, IKS? Was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Im zweiten Teil unserer Beitragsserie wollen wir aufbauend auf dem Thema „Corporate Governance“ zwei weitere wichtige Themen beleuchten. Zum einen soll es um die Themen Compliance und Compliance Management Systeme gehen. Diese helfen bei der Vermeidung von rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken. 

Darüber hinaus wollen wir uns dem Thema der Internen Kontrollsysteme widmen. Diese gewährleisten wirksame und effiziente Kontrollmöglichkeiten für den Unternehmer. Außerdem schaffen sie Perspektiven für im Unternehmen noch nicht gehobene Verbesserungspotentiale.

Compliance Management System (CMS)

Compliance

Unter Compliance ist ganz allgemein die Einhaltung von Gesetzen und sonstigen externen, aber auch internen Regelungen gemeint. Ein Compliance Management System beinhaltet intern vorgegebene Ziele, Grundsätze und Maßnahmen. Diese sollen die Beachtung von Gesetzen und Regeln gewährleisten. Der Abbildung können Sie eine Übersicht der Bestandteile eines Compliance Management Systems entnehmen.

Was ist wichtig beim Compliance Management System?

Nachfolgend finden Sie einige Denkanstöße. Diese sollen für einige Aspekte eines Compliance Management Systems sensibilisieren. Dazu muss ein Unternehmen noch kein ein formales Compliance Management System installiert haben:

  • Ausgehend vom obigen „ehrbaren Kaufmann“ gilt der Grundsatz des „tone at the top“ oder umgangssprachlich: „Der Fisch stinkt vom Kopfe her“. 
  • Wie wird die Beachtung von Gesetzen und Regeln von der Unternehmensleitung vorgelebt?
  • Besteht bei Ihnen eine „Fehlerkultur“, die es Mitarbeitern erlaubt, Fehler zuzugeben?
  • Oder besteht die Gefahr, dass durch Vertuschen von Fehlern noch größerer Schaden entstehen kann?
  • Haben Sie einen Überblick, welche wichtigen gesetzlichen Regelungen für Sie gelten?
  • Müssen Sie in Ihrem Unternehmen Spezialgesetze beachten (z. B. Hygienevorschriften in der Gastronomie oder besondere Arbeitsschutzvorschriften)?
  • Wie halten Sie sich über gesetzliche Änderungen auf dem Laufenden?
  • Sind Ihnen die finanziellen oder gar strafrechtlichen Folgen bei Missachtung wichtiger Vorschriften bekannt?
  • Kommunizieren Sie mit Ihren Mitarbeitern regelmäßig über die relevanten Regelungen und deren Veränderungen? Werden auch neue Mitarbeiter informiert?
  • Welche Regelungen und Maßnahmen haben Sie eingeführt, um Gesetzesverstöße zu vermeiden oder frühzeitig aufzudecken?
  • Haben Sie Zuständigkeiten geregelt, wer die Einhaltung von Regelungen zu überwachen hat?
  • Lassen Sie sich bei Bedarf juristisch und steuerlich beraten?
  • Ist Ihnen bekannt, dass steuerliche Betriebsprüfer immer öfter nach einer Verfahrensdokumentation fragen?
  • Kennen Sie die Bedeutung einer Verfahrensdokumentation (auch als „Tax Compliance Management System light“)?

Internes Kontrollsystem (IKS)

Unter einem internen Kontrollsystem werden die von der Unternehmensleitung eingeführten Regelungen verstanden, die auf die organisatorische Umsetzung der Entscheidungen der Unternehmensleitung gerichtet sind. 

Ziele eines IKS sind insbesondere:

  • die Sicherung der Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftstätigkeit
    • hierzu gehört auch der Schutz des Vermögens, einschließlich der Verhinderung und Aufdeckung von Vermögensschädigungen
  • die Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit der internen und externen Rechnungslegung sowie
  • die Einhaltung der für das Unternehmen maßgeblichen rechtlichen Vorschriften; insofern besteht hier auch eine Überschneidung zu einem Compliance Management System

Solche Regelungen können darauf abstellen,…

  • Fehler gar nicht erst entstehen zu lassen (z. B. Vorbeugung durch Arbeitsanweisungen oder Schulungen, IT-technische Vorgaben)
  • entstandene Fehler noch frühzeitig zu entdecken (z. B. 4-Augen-Prinzip)
  • zumindest im Nachgang aus festgestellten Fehlern zu lernen (z. B. bei Feststellungen einer internen Revision).

Kontrollen können…

  • automatisch implementiert sein (z. B. IT-technisch vorgegebene Pflichteingaben, Sperren oder Plausibilitätsprüfungen) oder manuell erfolgen (z. B. zwei Unterschriften/Handzeichen, Freigabe von Eingaben durch zweite Person, Kontrollzählungen …)
  • prozessintegriert oder nachgelagert vorgenommen werden
  • in unterschiedlichen Umfängen (lückenlos, Stichproben), nach Risikovorgaben (z. B. nach Betragshöhe) und in unterschiedlichen Turni (z. B. täglich, monatlich) vorgegeben werden
  • auf verschiedenen Hierarchieebenen vorgesehen sein (z. B. tägliche Kontrolle durch Sachbearbeiter, Analyse wöchentlicher Auswertungen durch Vorgesetzten, monatliche Überwachung durch „den Chef“.

Interne Kontrollsysteme sind äußerst vielseitig und individuell. Die nachfolgenden Fragen sollen daher einige Denkanstöße liefern.

Grundsätzlich

  • Haben Sie überhaupt ein Internes Kontrollsystem?
    • Die Antwort, wenn z. B. von einem steuerlichen Betriebsprüfer gestellt, lautet immer JA! 
    • Es ist nur die Frage, wie umfangreich und sachgerecht es ausgestaltet ist, ob und wie es dokumentiert ist und ob es auch gelebt wird

Informationstechnik

  • Haben Sie ein Berechtigungssystem für Ihre wichtigsten IT-Systeme eingerichtet und an Ihre Verhältnisse angepasst? 
  • Stimmen die IT-Berechtigungen mit den sonstigen Kompetenzen, Vollmachten etc. überein?
  • Haben Sie in Ihrem IT-System für wesentliche Prozesse automatische Kontrollen, Freigaben im 4-Augen-Prinzip etc. implementiert?
  • Lassen Sie sich bei der Implementierung des IT-Systems von einem IT-Experten beraten?
  • Wer stellt sicher, dass beispielsweise IT-Berechtigungen oder Bankvollmachten bei ausscheidenden Mitarbeitern gelöscht werden?

Wichtige Arbeitsprozesse

  • Haben Sie für wesentliche Prozesse Arbeitsanweisungen oder sonstige organisatorische Regelungen getroffen oder genügen mündliche Anweisungen? 
  • Wer ist ggf. für die regelmäßige Überprüfung der Regelungen verantwortlich?
  • Haben Ihre Mitarbeiter sich selber Notizen über ihre regelmäßigen Arbeitsschritte und „To Do‘s“ gemacht? 
  • Macht hier eine systematische Aufnahme für Alle mehr Sinn, auch zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter?
  • In welchen Bereichen haben Sie ein 4-Augen-Prinzip vorgesehen? Wird dessen Beachtung dokumentiert?
  • Bestehen bei Ihnen für sensible Bereiche Zugangsregelungen?
  • Wann haben Sie zuletzt überprüft, wer bei Ihren Bankkonten Bankvollmacht oder Zeichnungsberechtigung in welchem Umfang hat?
  • Haben Sie für regelmäßig vorkommende Geschäftsvorfälle oder Kontrollhandlungen Formulare im Einsatz?
  • Kontrolliert jemand bei Excel-Berechnungen die Formeln? Wird dies dokumentiert?
  • Welche Auswertungen werden bei Ihnen regelmäßig erstellt? Wer wertet diese aus und worauf ist zu achten?
  • Wie werden neue Mitarbeiter eingearbeitet?
  • Haben Sie klare Kompetenzregelungen mit Betragsgrenzen und für Konditionen, z. B. für
    • Einkäufe / Warenbeschaffung / Beauftragung von Dienstleistungen
    • Zusagen an Kunden (z. B. Lieferfristen, Preise, Zahlungsfristen)
    • Zahlungsfreigaben für Rechnungen
  • Gibt es Regelungen für Wareneingangskontrollen?
  • Wer darf Rechnungen erstellen? Wie erfolgt der Abgleich mit der erbrachten Leistung (z.B. Stundenzettel, Lieferschein etc.) und den vereinbarten Preisen (Angebot, Preisliste, individuelle Absprachen)?

Sind Sie gleicher als gleich?

  • Gelten die im Unternehmen getroffenen Regelungen und Kontrollen auch für den Unternehmer / Geschäftsführer?  Darf und kann (technisch) der Chef interne Kontrollen umgehen bzw. außer Kraft setzen?
  • Diese Fragen nach dem „Management Override“ wird sicher auch in der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Wirtschaftsprüfung

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf! Wir beraten Sie gerne zur Bedeutung von „Compliance Management“ und „Internen Kontrollsystemen“ in Ihrem Unternehmen.

Wie Sie sehen, betreffen das „Compliance Management System“ und das „Interne Kontrollsystem“ viele wichtige Bereich Ihres Unternehmens. Eine fundierte Analyse und darauf aufbauende Maßnahmen tragen zu Verbesserung Ihrer Unternehmensstrukturen bei. 

„Compliance Management Systeme“ und „Interne Kontrollsysteme“ helfen, wesentliche und eventuell bestandsgefährdende Risiken zu vermeiden. Worauf bei einer umfassenden Risikoinventur und einem darauf aufbauenden Risikomanagementsystem geachtet werden sollte, stellen wir Ihnen im letzten Teil unserer Beitragsserie vor.

Schauen Sie auch gerne in den ersten Teil unserer Beitragsserie, welcher sich mit dem Thema „Corporate Governance“ befasst.

Wirecard - lessons learned?

Wir zeigen Ihnen im ersten Teil unserer Serie, wie mittelständische Unternehmen aus dem Wirecard Skandal lernen können und welche Instrumente dafür zur Verfügung stehen.

Wirecard-Serie – lessons learned?

Wirecard-Skandal – (Was) Kann der Mittelstand daraus lernen?

Spätestens mit der Beantragung des Insolvenzverfahrens und des Eingeständnisses des Wirecard Vorstands, dass Treuhandguthaben von rd. EUR 1,9 Mrd. „verschwunden“ seien, ist der bis vor kurzer Zeit noch im DAX notierte Wirecard-Konzern zum Sinnbild für Betrügereien und einen der größten deutschen Bilanzskandale geworden. Schon jetzt ist ein Kinofilm über diesen Wirtschaftskrimi geplant.

Wie auch in anderen öffentlichkeitswirksamen Fällen (z. B. „Dieselskandal“ bei Volkswagen oder vor einigen Jahren die Korruptionsvorwürfe bei Siemens) tauchen immer wieder Begriffe und Schlagworte auf, die bei großen Unternehmen zu verbesserten Strukturen führen sollen.

So wird bei Wirecard eine unzureichende „Corporate Governance“ beanstandet.

Nach dem Siemens-Korruptionsskandal 2006/2007 wurde von der Einführung oder Verbesserung des „Compliance Management Systems“ gesprochen.

Die Finanzmarktkrise 2007/2008 soll durch mangelhafte „Risikomanagementsysteme“ vieler Kreditinstitute wesentlich verursacht oder verstärkt worden sein.

Vielfach wird davon gesprochen, die „Internen Kontrollsysteme“ hätten versagt. Zu jedem dieser Begriffe finden sich zahlreiche regulatorische Regelungen und regalweise Literatur.

Was wollen wir Ihnen zeigen?

Wir wollen Ihnen die Möglichkeit geben, aus diesem Skandal Chancen für Ihr eigenes Unternehmen zu ziehen. Daher werden wir die unterschiedlichen Begriffe in einer Beitragsserie beleuchten. Damit verfolgen wir das Ziel, Ihnen Denkanstöße zu liefern, die Sie für die Weiterentwicklung Ihres Unternehmen einsetzen können. 

Wir werden zunächst den Begriff der „Corporate Governance“ betrachten. Im zweiten Teil der Serie stehen die Begriffe des „Compliance Management Systems“ und des „Internen Kontrollsystems“ im Mittelpunkt. Wir schließen die Beitragsserie mit Anregungen zum Thema „Risikomanagementsystem“ und einem Fazit ab.

Corporate Governance

Eine wörtliche Übersetzung dieses Begriffs ist schwierig. Am besten kann man ihn mit Grundsätzen einer guten Unternehmensführung umschreiben. Bei (börsennotierten) Aktiengesellschaften wird in dem Deutschen Corporate Governance Kodex insbesondere die Besetzung, die Zusammenarbeit und die Verantwortung von Vorstand und Aufsichtsrat reguliert. Hier wird mittlerweile auch zunehmend die Vergütung dieser Organe aufgenommen.

Ist dies für einen Einzelunternehmer, eine kleine GmbH & Co. KG oder eine eigentümergeführte mittelständische Unternehmensgruppe von Relevanz?

Wir haben einige Anregungen für Sie

  • Welche Führungskultur wird im Unternehmen (vor-) gelebt?
  • Gibt es eine Geschäftsordnung und – bei mehreren Geschäftsführern – einen Geschäftsverteilungsplan für die Geschäftsführung?
  • Wer sind Personen mit Schlüsselkompetenzen? 
  • Gibt es eine kompetente und mit Kompetenzen ausgestattete zweite Führungsebene?
  • Hat der Unternehmer im Unternehmen, in der Familie (z. B. Ehepartner) oder durch einen vertrauensvollen Berater einen Sparringspartner für ein ehrliches, kritisches und konstruktives Feedback?
  • Gibt es Minderheitsgesellschafter?
  • Wie werden deren Interessen berücksichtigt?
  • Wie ist die Nachfolge für das Unternehmen geplant?
  • Gibt es einen Notfallplan für den Fall Ausfalls des Unternehmers?
  • Könnte die Einrichtung eines Beirats, entweder mit Beratungs- oder auch Überwachungsfunktion, sinnvoll sein?
  • Wie beurteilen Sie Ihre Beziehungen zu wesentlichen Geschäftspartnern, zu Kreditgebern (Banken) und Arbeitnehmern?
  • Wird die Gewinnausschüttungs- und Entnahmepolitik an einer nachhaltigen Unternehmensführung oder nach persönlichen Bedürfnissen bzw. steuerlichen Aspekten ausgerichtet?
  • Richten Sie Ihr Handeln nach den „althergebrachten Grundsätzen eines ehrbaren Kaufmanns“ aus?

„Corporate Governance“-Chancen für Sie

Das Thema „Corporate Governance“ berührt eine Vielzahl von Bereichen im Unternehmen. Trotzdem bleibt die Frage, welche Vorteile eine gute „Corporate Governance“ für Ihr Unternehmen bringt? 

Beantworten Sie für sich doch einmal die oben aufgeführten Fragen. Sie werden feststellen, dass die Beantwortung dieser Fragen eine Erkenntnis liefert. Mit Hilfe unserer Fragen können Sie einfach und schnell einen Überblick über den Aufbau Ihres Unternehmens erlangen. Und daraus Potenziale ableiten, um genau diese Strukturen zu erneuern und zu verbessern. 

Sie können auf Basis einer fundierten und strategisch ausgerichteten „Corportate Governance“ den Grundstein für eine zukunftsfähige Ausrichtung Ihres Unternehmens legen. Klare Verhaltens- und Arbeitsregeln bieten Mitarbeitern wie Führungskräften einen Rahmen, innerhalb dessen sie sich bewegen können. So können Sie von Beginn an schadhaften Entwicklungen durch unangemessenes Geschäftsverhalten begegnen. 

In diesem Zusammenhang wird der Begriff des „Compliance Management Systems“ wichtig. Compliance bezeichnet einfach gesagt die Einhaltung von Gesetzen und sonstigen externen wie internen Regelungen. Erfahren Sie mehr zu Compliance und zum „Compliance Management System“ in unserem nächsten Beitrag. 

Das ist die Überschrift Compliance, CMS, IKS? Was verbirgt sich eigentlich dahinter?

Im zweiten Teil unserer Beitragsserie erörtern wir weitere Begriffe, die im Zusammenhang mit Wirecard immer wieder genannt wurden. Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie diese Erkenntnisse in Ihrem Unternehmen nutzen können.

Wirtschaftsprüfung

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf! Wir beraten Sie gerne zu den Themen „Corporate Governance“ und „Compliance Management Systemen“.

Verbesserungen bei der Abrechnung der Corona-Soforthilfe

Angehaltenes Rückmeldeverfahren

In unserem Beitrag „Corona-Soforthilfe: Informationen zu Nachweisen, Unterlagen und Rückzahlung“ hatten wir für Sie die wichtigsten Informationen zur Abrechnung der Förderung zusammengestellt. Aufgrund von Schwierigkeiten bei einzelnen Teilen der Abrechnungen wurde das Rückmeldeverfahren angehalten. Dafür hatte sich das Land Nordrhein-Westfalen und weitere Bundesländer eingesetzt. Das Rückmeldeverfahren wird zum Herbst wieder aufgenommen. Damit verbunden wird die Rückmeldefrist wurde bis zum 30. November verlängert. Gleichzeitig wurde die Frist für Rückzahlungen bis zum 31. März 2021 verlängert.

Die Verbesserungen im Überblick:

Personalkosten

Bisher waren Personalkosten durch das Kurzarbeitergeld abgedeckt. Aufgrund der Lockerungen konnten Unternehmen aber wieder Umsätze erzielen. Daher dürfen die mit den Umsätzen verbundenen Personalkosten nun bei der Abrechnung angesetzt werden. Bitte beachten Sie aber, dass Personalkosten nur bedingt angesetzt werden können. Wenn diese Kosten schon durch andere Maßnahmen abgedeckt sind, darf kein Ansatz erfolgen.

Gestundete Zahlungen

Aufgrund der Verbesserungen dürfen Sie Zahlungen für Mieten, Pachten oder Leasingraten nun bei der Abrechnungn berücksichtigen. Voraussetzung ist, dass diese Zahlungen ansonsten tatsächlich im Förderzeitraum angefallen wären.

Besseres Zuflussprinzip

Bis jetzt mussten alle tatsächlichen Zahlungseingänge berücksichtigt werden, weil der Zeitpunkt der Leistung nicht beachtet wurde. Aber gerade für Handwerks- und Messebauunternehmen war dies problematisch. Daher wurde das Zuflussprinzip verbessert. Jetzt haben Unternehmen die Option bei den Einnahmen auf den Zeitpunkt der Leistung abzustellen.

Hohe einmalige Zahlungseingänge

Um die Einnahmen richtig darzustellen, dürfen Sie große einmalige Zahlungseingänge bei der Ermittlung der Einnahmen anteilig angesetzt werden. Damit wird verhindert, dass die Einnahmen durch solche Einmalzahlungen bei der Abrechnung falsch dargestellt werden. Einmalige Zahlungseingänge müssen sich aber auf ein ganzes, vorangegangenes Jahr beziehen.

Weitere Informationen zur Corona-Soforthilfe

Weitere wichtige Informationen haben wir für Sie in unseren Beiträgen „Corona-Soforthilfe: Informationen zu Nachweisen, Unterlagen und Rückzahlung“ und „Corona-Soforthilfe für Selbständige und kleine Unternehmen“ zusammengestellt. Darüber hinaus empfehlen wir einen Blick auf die Seite des Landes NRW für zusätzliche Detailinformationen rund um die Corona-Soforthilfe und das Rückmeldeverfahren.

Sollten Sie Fragen haben oder sich für unsere Leistungen der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Rechtsberatung interessieren, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

Finanzbuchführung optimieren, Wettbewerbsvorteile ausbauen.

Digitalisierung ist einer der Schlüsselbegriffe unserer Zeit. Digitalisierung steht vor allem für Umbruch und das Infrage stellen von Alt-Bekanntem. Für Unternehmen bedeutet dieser Wandel große Herausforderungen, da die Vielzahl neuer Technologien und Möglichkeiten schier unüberschaubar erscheint.

Unsere Beratung unterstützt Sie dabei, den Überblick zu behalten und die Chancen, die die Digitalisierung bereit hält zu nutzen. Wir glauben, dass eine fundierte und zukunftsgerichtete Digitalisierungsstrategie unseren Mandanten die Möglichkeit eröffnet, ihre bereits bestehenden Wettbewerbsvorteile weiter zu zementieren und damit in Zukunft eine noch bessere Position am Markt einnehmen zu können.

Dies beginnt bei einer digitalisierten Buchführung, die es ermöglicht aktuelle Zahlen in klarer Darstellungsweise zu jeder Zeit abrufen zu können. Sie erhalten so von uns immer die Möglichkeit auf neue Entwicklungen zu reagieren.

DATEV Unternehmen Online

Mit DATEV Unternehmen Online  bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Ihre Finanzbuchführung und Lohnbuchführung zu digitalisieren. Dadurch realisieren Sie Vorteile bei der Effizienz der Buchführung. Dies beginnt bereits damit, dass Buchführungsunterlagen nicht mehr physisch zu Ihrem Steuerberater gebracht werden müssen. Zusätzlich bleiben Ihre Unterlagen revisionssicher, GOBD-konform und digital jederzeit für Sie verfügbar. Umfangreiche papierhafte Ablagesysteme gehören damit der Vergangenheit an. Durch verschlüsselte Kommunikationswege erhalten Sie aktuellste betriebswirtschaftliche Auswertungen zu jeder Zeit schnell, sicher und vollkommen papierlos.

Die Verankerung der Belege in der Finanzbuchführung und Lohnbuchführung bewirkt, dass Sie Entwicklungen im Unternehmen bis auf die Ebene eines einzelnen Beleges nachvollziehen können. So behalten Sie jederzeit den Überblick und damit auch die Kontrolle über betriebliche Ausgaben. Unsere digitalen Angebote bieten außerdem Schnittstellen für viele branchenspezifische Software-Angebote. Damit werden umständliche Umstellungsprozesse vermieden.

Folgende Tools stellen eine sinnvolle Ergänzung von DATEV Unternehmen Online dar und führen zu mehr Effizienz bei der Unternehmenssteuerung.

Upload Mail

Das Software-Tool „Upload Mail” bietet Ihnen die Möglichkeit Eingangsrechnungen ohne papierhafte Zwischenablage und manuelles Scannen direkt zu Unternehmen Online hochzuladen. Dazu werden eine Zieladresse und eine oder mehrere Trägeradressen definiert. Anhänge von Mails dieser Adressen werden direkt in das revisionssichere Dokumentenmanagementsystem von Unternehmen Online hochgeladen. Ihr Vorteil? Durch die Umstellung des Rechnungseingangs auf ein digitales Verfahren reduzieren Sie manuellen Belegverarbeitungsaufwand, erhöhen die Effizienz in der Buchführung und sparen so Kosten.

Upload Mobil

Neben „Upload Mail“ gibt es eine weitere Möglichkeit, den papierhaften Beleganfall zu reduzieren und die Effizienz in der Buchführung zu erhöhen. „Upload Mobil“ ermöglicht Ihnen, Belege von unterwegs aus zu Unternehmen Online hochzuladen. Dazu laden Sie einfach die zugehörige App auf Ihr Handy herunter. Nachdem Sie sich erfolgreich registriert haben, werden von Ihnen gescannte Belege sicher verschlüsselt zu Unternehmen Online hochgeladen und revisionssicher archiviert. Gerade wenn es um kleinere betriebliche Ausgaben geht (bspw. Tankquittungen oder Parkscheine), ist die Möglichkeit des einfachen, schnellen und sicheren Uploads der Dokumente eine praktische Alternative zur Sammlung und zum nachträglichen Upload dieser doch meist sehr unhandlichen Belege. Die Nutzung von Upload Mobil ist mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden.

Smart Login

Ein Werkzeug, dass Ihnen den Zugang zu DATEV Anwendungen erleichtert, ist „Smart Login“. Dabei handelt es sich um eine App, die Sie statt der alt-bekannten Smart-Card zur Anmeldung bei allen von Ihnen genutzten DATEV Anwendungen verwenden können. Bei der Anmeldung scannen Sie einfach den angezeigten QR Code ab und melden sich sicher und unkompliziert in der jeweiligen Anwendung an. Die Nutzung des Smart Login ist kostenfrei.

Auftragswesen Online

Zuletzt möchten wir mit „Auftragswesen Online“ noch ein Instrument vorstellen, das den Bereich der Ausgangsrechnungen betrifft. Mittels „Auftragswesen Online“ können Sie GoBD-konform Ausgangsrechnungen erstellen. Dieses Programm ist ein „Must Have“ für alle, die noch nicht GoBD-konform Rechnungen erstellen. Darüber hinaus bietet das Programm die Chance, digitale Angebote für Ihre Kunden zu erstellen und diese unkompliziert in eine Rechnung umzuwandeln. Dabei können Sie das Layout der Angebote bzw. Rechnungen Ihren unternehmensindividuellen Vorstellungen anpassen. Nach erfolgter Rechnungsstellung bietet „Auftragswesen Online“ auch die Möglichkeit zur Abwicklung des Mahnwesens. So behalten Sie Ihre offenen Forderungen stets in Echtzeit im Blick. Da das Instrument browserbasiert ist, benötigen Sie keine zusätzliche Software und können es auch von unterwegs aus verwenden.

Ihre Vorteile

Zusammengefasst helfen wir Ihnen mit unseren Tools und Instrumenten dabei, die Rechnungswesen-Prozesse Ihres Unternehmens zu verbessern. Sie helfen dabei, die Buchführung durch Digitalisierung weiter zu optimieren und zu vereinfachen. Durch weniger physisches Belegaufkommen, weniger Scan-Aufwand und die höhere Effizienz durch die Verfügbarkeit von betriebswirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten erleichtern wir den unternehmerischen Arbeitsalltag. So schaffen wir für Sie Freiräume, damit Sie sich noch mehr auf Ihr Kerngeschäft und die Festigung Ihrer Wettbewerbsvorteile konzentrieren können.

Ganz unabhängig von den genannten Instrumenten empfehlen wir Ihnen, den Schritt von papierhaften Eingangsbelegen zu elektronischen Belegen zu machen, um manuellen Aufwand zu minimieren. Sofern Sie bereits elektronische Belege erhalten, können und müssen diese als elektronische Version ins Portal von DATEV Unternehmen online hochgeladen werden. Ein gescannter Ausdruck eines elektronischen Belegs ist nach den Ausführungen der Finanzverwaltung nicht zulässig.

Als Ausblick auf weitere Entwicklungsschritte des Portals von DATEV Unternehmen Online können wir Ihnen mitteilen, dass derzeit auch ein elektronischer Rechnungsfreigabeprozess entwickelt wird. Dieser ist für das 4. Quartal 2020 geplant.

Wir haben Ihr Interesse geweckt? Kontaktieren Sie uns gerne und wir besprechen die notwendigenSchritte für die Umsetzung.

Selbstverständlich beraten wir Sie auch gerne in Bezug auf die Umstellung der internen Prozesse im Rahmen der Digitalisierung.

Fristverlängerung bei elektronischen Kassensystemen

Seit Anfang 2020 gelten neue Vorschriften für die Nutzung von elektronischen Kassensystemen.

Diese beinhalten im Wesentlichen drei Anforderungen, die jeder Unternehmer, der mit einem elektronischen Kassensystem in seiner Firma arbeitet, erfüllen muss.

  1. Neue technische Anforderungen an die elektronischen Aufzeichnungssysteme
  2. Mitteilungspflichten über eingesetzte, neu angeschaffte und außer Betrieb genommene elektronische Aufzeichnungssysteme
  3. Belegausgabepflichten

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Beitrag „Neue Anforderungen an elektronische Kassensysteme ab 2020 auf einen Blick“.

Bis jetzt galt eine grundsätzliche Nichtbeanstandungsfrist bis zum 30.09.2020. Nach Ablauf dieser Frist verlangt das Bundesfinanzministerium, dass Firmen Ihre Kassensysteme auf manipulationssichere technische Sicherheitseinrichtungen (TSE) umstellen. Viele Unternehmen haben aber aufgrund der Corona-Pandemie Schwierigkeiten, diese Umstellung innerhalb der Frist zu realisieren.

Die Bundesländer (außer Bremen) haben sich darauf geeinigt, den Unternehmen mehr Zeit für die Realisierung einzuräumen. Die Nichtbeanstandungsfrist wird daher bis zum 31.03.2021 verlängert.

Die Verlängerung setzt voraus, dass

  • die erforderliche Anzahl an TSE beim Kassensystemanbieter bis zum 30.09.2020 nachweislich verbindlich bestellt bzw. in Auftrag gegeben ist
  • der Einbau einer cloud-basierten TSE vorgesehen, aber aktuell nachweislich noch nicht verfügbar ist

Laut Informationen der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen ist kein gesonderter Antrag bei den zuständigen Finanzämtern erforderlich. Weitere Informationen zur Fristverlängerung finden Sie auf der Informationsseite des Landes NRW.

Nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf, wenn für Sie richtungsweisende Änderungen in Ihrem Unternehmen anstehen. Wir bieten umfassende Beratungsleistungen im Bereich der Digitalisierung und Optimierung von Rechnungswesenprozessen und Möglichkeiten der Unternehmenssteuerung.

Corona-Rettungsschirm für Unternehmen: Das zweite Corona-Steuerhilfegesetz

Die Bundesregierung hat mit dem zweiten Corona-Steuerhilfegesetz weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Deutschen Wirtschaft und der Bewältigung der Auswirkungen der weltweiten Corona-Pandemie beschlossen.

Damit Sie die Vorteile dieser Maßnahmen optimal für sich nutzen können, haben wir die wichtigsten Informationen für Sie zusammengefasst.

Die Elektromobilität erhält eine weitergehende Förderung bei  Elektrovollfahrzeugen. Das heißt, dass die Bemessungsgrundlage für die nicht abziehbaren Betriebsausgaben nur 25% des inländischen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung beträgt. Begünstigt sind Fahrzeuge, deren Anschaffungszeitpunkt zwischen dem 31. Dezember 2018 und vor dem 1. Januar 2031 liegt. Der Brutto-Listenpreis darf allerdings einen Betrag von 60.000,00 EUR nicht übersteigen.

Zusätzlich zu Elektrovollfahrzeugen werden auch Fahrzeuge mit Brennstoffzellen gefördert.

Für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens führt der Gesetzgeber eine degressive Abschreibung ein. Diese entspricht dem 2,5-fachen der linearen Abschreibung, höchstens jedoch 25%.

Es gilt zu beachten, dass diese Regelung in Bezug auf Überschusseinkünfte ausscheidet. Bei den Werbungskosten zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung bzw. zu den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit existiert weiterhin nur die lineare Abschreibung. Darüber hinaus gilt die degressive Abschreibung nur für bewegliche Wirtschaftsgüter und nicht für immaterielle oder unbewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens.

Die degressive Abschreibung wird für bewegliche Gegenstände des Anlagevermögens gewährt, die nach dem 31. Dezember 2019 und vor dem 1. Januar 2022 angeschafft oder hergestellt werden. Sofern die lineare Abschreibung im Laufe der Zeit günstiger als die degressive Abschreibung ist, kann auf die lineare Abschreibung gewechselt werden.

Die bislang stark begrenzte einkommensteuerliche Verlustrücktragsmöglichkeit wurde deutlich erhöht. Nunmehr beträgt die Höchstgrenze 5,0 Mio. EUR bei Einzelveranlagung und 10,0 Mio. EUR bei Zusammenveranlagung. Vorher waren es nur 1,0 Mio. EUR bzw. 2,0 Mio. EUR. Im Zusammenhang mit dieser Regelung ist darüber hinaus die Anpassung von Vorauszahlungen für den Veranlagungszeitraum 2019 möglich. Auf Antrag wird der für die Bemessung der Vorauszahlungen herangezogene Gesamtbetrag der Einkünfte pauschal um 30% reduziert. Dies ersetzt den pauschalierten Verlustrücktrag von 15%.

Die Steuerermäßigung bei Einkünften aus Gewerbebetrieb wird statt des bisher 3,8-fachen des Gewerbesteuer-Messbetrags nun auf das 4,0-fache erhöht. Der Höchstbetrag der Ermäßigung beläuft sich auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer. Da es keinen gewerbesteuerlichen Verlustrücktrag gibt, ist im Einzelfall eine Beratung über die optimale Gestaltung der Nutzung des einkommensteuerlichen Verlustrücktrags sinnvoll.

Zuletzt wird die Investitionsfrist  für gebildete Investitionsabzugsbeträge, die im Jahr 2020 für begünstigt Investitionen genutzt werden müssen, um ein Jahr verlängert. Ursächlich hierfür ist, dass viele Unternehmen aufgrund der gegenwärtigen Lage keinen Investitionen tätigen können und sich mit negativen steuerlichen Konsequenzen konfrontiert sehen würden, da die aus der unterlassenen Investition resultierenden Steuernachforderungen eine weitere Belastung für die Unternehmen darstellen.

Überbrückungshilfe-Programm für den Mittelstand

Im Zuge der Corona-Pandemie und der damit einhergehenenden Auswirkungen auf die Deutsche Wirtschaft, hat die Bundesregierung weitere umfangreiche Maßnahmen beschlossen, um Unternehmen in Deutschland zu unterstützen.

Ein Teil dieser Maßnahmen ist die Überbrückungshilfe. Diese schließt sich an die Corona-Soforthilfe an. Sie soll Unternehmen, die von der Corona-Pandemie betroffen sind, weitere Hilfsgelder zu Verfügung stellen. Im Folgenden haben wir Ihnen die wichtigsten Punkte aus dem Eckpunkte-Papier der Bundesregierung zusammengestellt.

Das Überbrückungshilfe-Programm verfolgt das Ziel der Sicherung der wirtschaftlichen Existenz von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen die durch Schließungen und Auflagen betroffenen Unternehmen. Diese haben häufig erhebliche Umsatzausfälle erlitten.

Fördervoraussetzungen

Antragsberechtigt sind Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche, Solo-Selbständige und Angehörige der freien Berufe im Haupterwerb.

Eine wichtige Voraussetzung für die Antragsberechtigung ist die Einstellung der Geschäftstätigkeit zu wesentlichen Teilen. Dieser Umstand wird angenommen, wenn das Unternehmen in den Monaten April und Mai 2020 einen Umsatz realisiert hat, der kombiniert mindestens 60% unter dem Umsatz der Vorjahresmonate liegt. Bei Unternehmen, die im Jahre 2019 nach April gegründet wurden, werden die Monate November und Dezember als Maßstab herangezogen.

Darüber hinaus gilt, wie auch schon für das Corona-Soforthilfe-Programm, dass sich das antragsstellende Unternehmen zum 31.12.2019 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden haben darf.

Außerdem antragsberechtigt sind gemeinnützige Unternehmen und Organisationen. Bei diesen wird statt der Umsätze auf die Einnahmen abgestellt. Öffentliche Unternehmen sind von der Förderung ausgeschlossen.

Föderfähige Fixkosten

Das Überbrückungshilfe-Programm fördert fortlaufende, im Förderzeitaum (Juni bis August 2020) vertraglich begründete oder behördlich festgesetzte Fixkosten. Diese dürfen nicht einseitig änderbar sein. Zu den förderfähigen Fixkosten zählen insbesondere:

  1. Mieten und Pachten für Gebäude, Grundstücke und Räumlichkeiten des Unternehmens. Kosten für Privaträume sind nicht förderfähig.
  2. Zinsaufwendungen für Darlehen und Kredite
  3. Finanzierungskostenanteile von Leasingraten
  4. Ausgaben für notwendige Instandhaltung, Wartung oder Einlagerung von Anlagevermögen
  5. Ausgaben für Elektrizität, Wasser, Heizung, Reinigung und Hygienemaßnahmen
  6. Grundsteuern
  7. Betriebliche Lizenzgebühren
  8. Versicherungen, Abbonements und andere feste Ausgaben
  9. Kosten für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, die im Zusammenhang mit der Überbrückungshilfe anfallen
  10. Kosten für Auszubildende
  11. Personalaufwendungen im Förderzeitraum

Bei den Personalaufwendungen muss beachtet werden, dass diese mit 10% der Fixkosten der Punkte 1 bis 10 pauschal gefördert werden. Einbezogen werden nur Personalaufwendungen, die nicht vom Kurzarbeitergeld betroffen sind.

Zuletzt trägt die Überbrückungshilfe den besonderen Umständen von Reisebüros Rechung. Diese können Provisionen, die aufgrund von Stornierungen infolge der Corona-Pandemie an die Veranstalter zurückgezahlt werden mussten, als Fixkosten ansetzen.

Höhe der Förderung

Die Höhe der Förderung aus der Überbrückungshilfe beträgt maximal 150.000,00 EUR und wird analog zur Corona-Soforthilfe gestaffelt. Die Förderstaffel stellt sich wie folgt dar:

  • Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern erhalten maximal 9.000,00 EUR
  • Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern erhalten maximal 15.000,00 EUR
  • Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern erhalten maximal 150.000,00 EUR

Die Anzahl der Mitarbeiter wird in Vollzeitäquivalenten gemessen. Außerdem ist zu beachten, dass sich die Förderhöhe nach der Höhe des Umsatzausfalls richtet. Die Überbrückungshilfe erstattet einen Anteil in Höhe von

  • 80% der Fixkosten bei mehr als 70% Umsatzausfall
  • 50% der Fixkosten bei Umsatzausfall zwischen 50% und 70%
  • 40% der Fixkosten bei Umsatzeinbruch zwischen 40% und 50%

im Fördermonat, jeweils für die Monate Juni, Juli und August 2020, im Vergleich zum Vorjahresmonat. Ergibt sich beispielsweise aus der Kombination mit anderen Förderprogrammen eine Überkompensation, so ist diese zurückzuzahlen.

Ausnahmen

Eine Überschreitung dieser Grenzen ist nur in besonderen Ausnahmefällen möglich. Ein solcher Fall liegt vor, wenn die errechnete Überbrückungshilfe auf Basis der förderfähigen Fixkosten mindestens doppelt so hoch läge wie der maximal Erstattungsbetrag.

Die Überbrückungshilfe ist unter den vorstehenden Voraussetzungen steuerbar und daher im Rahmen der Gewinnermittlung zu berücksichtigen.

Antragsprozess

Antragssteller müssen beachten, dass Anträge in einem zweistufigen Verfahren gestellt werden. In der ersten Stufe werden die erstattungsfähigen Fixkosten in Zusammenarbeit mit einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer glaubhaft gemacht. In einem zweiten Schritt müssen diese Kosten belegt werden.

Der Umsatzeinbruch muss bei Antragsstellung für April und Mai 2020 abgeschätzt werden und darüber hinaus um eine Prognose für den Förderzeitraum ergänzt werden. Die Fixkosten, die erstattet werden sollen, werden ebenso abgeschätzt. Bei Vorliegen der tatsächlichen Zahlen wird dann im zweiten Schritt überprüft, ob die Förderhöhe korrekt ist oder gegebenenfalls zu viel gezahlte Zuschüsse zurückzuzahlen sind.

Die Überbrückungshilfe der Bundesregierung beinhaltet wie auch schon bei der Corona-Soforthilfe keinen Zuschuss zum entgangenen Unternehmerlohn. Das Land NRW gewäht daher in Ergänzung zur Überbrückungshilfe eine Pauschale für Lebenshaltungskosten von 1.000,00 EUR pro Monat über einen Zeitraum von drei Monaten. Dieser gilt für Solo-Selbständige und Personengesellschaften. Weitere Informationen zur Überbrückungshilfe finden Sie in der FAQ-Liste der Bundesregierung.

Update vom 25. August 2020

Mit Beschluss des Koalitionsausschusses vom 25. August 2020 wird die Laufzeit des Überbrückungshilfe-Programms für kleine und mittelständische Betriebe bis zum 31.12.2020 verlängert. Einzelheiten zur Verlängerung der Überbrückungshilfe und weiterer Maßnahmen finden Sie hier.

Sie haben Fragen zur Überbrückungshilfe oder interessieren Sie sich für eine Beantragung? Kontaktieren Sie uns und lernen Sie uns und unsere Services der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Rechtsberatung kennen.

Corona-Soforthilfe: Informationen zu Nachweisen, Unterlagen und Rückzahlung

Die Bundesregierung hat zu Beginn des Jahres im Zuge der Corona-Pandemie ein umfangreiches Hilfspaket zur Stützung der Deutschen Wirtschaft beschlossen. Die darin enthaltene Corona-Soforthile ermöglichte es Unternehmen schnell und unbürokratisch Hilfgelder zu erhalten, um den eigenen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Dieses Corona-Soforthilfe Programm ist planmäßig zum 31. Mai 2020 ausgelaufen.

Eine Frage, die bisher unbeantwortet geblieben ist, bezog sich auf den Verwendungsnachweis und die Pflicht zur Rückzahlung zu viel erhaltener Corona-Soforthilfe. Dazu hat die Landesregierung NRW nun Informationen veröffentlicht.

Die wichtigsten Informationen haben wir für Sie im Folgenden aufbereitet:

Nach Ablauf des dreimonatigen Bewilligungszeitraums müssen die Unternehmen, die die Corona-Soforthilfe in Anspruch genommen haben, mittels eines vorgeschriebenen Vordrucks eine Abrechnung über die erhaltenen Gelder und den zu deckenden Liquiditätsengpass anfertigen. Das Ergebnis dieser Berechnung ist bei der Bewilligungsbehörde digital einzureichen.

Die Empfänger der Corona-Soforthilfe werden daher ab Montag, den 29. Juni 2020 per E-Mail angeschrieben und über das weitere Vorgehen informiert.

Sich aus dem Vergleich der erhaltenen Corona-Soforthilfe und dem tatsächlichen Liquiditätsengpass ergebende Rückzahlungsbeträge sind bis 31. Dezember 2020 auf das Konto der Bezirksregierung zu überweisen.

Die Methode zur Ermittlung des Liquiditätsengpasses stellt sich dabei wie folgt dar:

Einnahmen aus dem Geschäftsbetrieb

./. tatsächliche laufende, erwerbsmäßige Sach- und Finanzausgaben (ohne Personalaufwand)

+ eingesparte Kosten

= Liquiditätsengpass

Zusätzlich dürfen Soloselbständige, Freiberufler sowie im Unternehmen tätige Inhaber von Einzelunternehmen oder Personengesellschaften, die den Antrag auf Corona-Soforthilfe im März oder April gestellt und in diesen Monaten keine Grundsicherung (ALG II) erhalten haben, einmalig einen Betrag von 2.000,00 EUR als fiktiven Unternehmerlohn in der Berechnung ansetzen, welcher den Liquiditätsengpass erhöht.

Die Bewilligungsbehörde prüft stichprobenartig die zweckentsprechende Verwendung der den Unternehmen zur Verfügung gestellten Corona-Soforthilfe. Daher müssen die Fördernehmer alle mit dem Antrag, der Mittelverwendung und der Berechnung des Liquiditätsengpasses zusammenstehenden Unterlagen für einen Zeitraum von 10 Jahren aufbewahren. Beispiele für derartige Unterlagen sind Mietverträge, Rechnungen oder Kontoauszüge.

Weitere Informationen zur Corona-Soforthilfe finden Sie in der Pressemitteilung der Landeregierung und auf der Themenseite zur Corona-Soforthilfe.

Wichtiger Hinweis vom 16. Juli 2020:

Aufgrund von massiven Protesten aus der Wirtschaft wurden die Nachprüfungen zur Corona-Soforthilfe in NRW angehalten (weitere Informationen finden Sie hier). Einige Abrechnungsverfahren zu Rückzahlungsverpflichtungen hätten sich als problematisch erwiesen – so der NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart.

Aufgrund diverser Auslegungsfragen wird seitens der drei NRW-Steuerberaterkammern angeraten, die bis jetzt angeforderten Abrechnungen der Soforthilfe nicht zu beantworten (bisheriger Fristablauf am 30. September 2020) und die weitere Entwicklung abzuwarten (eine FAQ-Liste zum Rückmeldeverfahren finden Sie hier).

 

Umsatzsteuersenkung ab 01.07.2020 – Was ist zu tun und was müssen Sie beachten?

Update 1. Juli 2020

In Folge der Corona-Pandemie und mit dem Ziel die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2020 anzukurbeln, hat die Bundesregierung die befristete Senkung der Umsatzsteuer beschlossen.

Die Umsatzsteuer für Lieferungen und sonstige Leistungen, die ab dem 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 ausgeführt werden, wird auf 16 % (ehem. 19 %) bzw. 5 % (ehem. 7%) gesenkt. Dies gilt ebenso für den innergemeinschaftlichen Erwerb.

Für Sie bedeutet dies, dass Sie Ihr

  • Kassensystem,
  • Rechnungsprogramm sowie
  • Warenwirtschaftssystem

an den korrekten Ausweis der Umsatzsteuer anpassen müssen.

Das Bundesministerium für Finanzen hat ein BMF-Schreiben veröffentlicht (den Link zum Dokument finden Sie hier). Basierend darauf finden Sie im Folgenden ausgewählte Aspekte, welche im Zusammenhang mit der Umsatzsteuersenkung zu beachten sind:

  • Der anzuwendende Steuersatz richtet sich nach dem Zeitpunkt der Leistungserbringung, nicht nach dem Zeitpunkt der Rechnungsstellung. Für eine vor dem 1. Juli 2020 erbrachte Lieferung oder sonstige Leistung, welche im Juli 2020 in Rechnung gestellt wird, ist demnach der Steuersatz von 19 % bzw. 7 % anzuwenden.
  • Bereits mit 19 % bzw. 7 % besteuerte Anzahlungen, deren zu Grunde liegende Gesamtleistung in dem Zeitraum 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 beendet wird, sind im Rahmen der Schlussrechnung entsprechend zu korrigieren.
  • Etwaige Dauerrechnungen und Verträge (z. B. Vermietung, Leasing, Wartungen) sind auf die geänderten Steuersätze anzupassen. Auf die Angabe aller erforderlichen Pflichtangaben gem. § 14 Abs. 4 UStG ist hierbei zu achten.
  • Umsatzsteuerschuld und Vorsteuerabzug

Sofern trotz des geltenden Steuersatzes von 16 % bzw. 5 %, 19 % bzw. 7 % in einer Rechnung, einem Kassenbon oder sonstigem Abrechnungspapier ausgewiesen werden, wird auch der Mehrbetrag geschuldet (§14c UStG).

Der Vorsteuerabzug hingegen ist auf die gesetzlich geschuldete Steuer begrenzt.

  • Zu hoher Umsatzsteuerausweis in der Unternehmerkette

Aus Vereinfachungsgründen wird es nicht beanstandet, wenn der leistende Unternehmer, für eine nach dem 30. Juni 2020 und vor dem 1. August 2020 erbrachte Leistung, an einen anderen Unternehmer, den vor dem 1. Juli 2020 geltenden Steuersatz (19% bzw. 7%) in Rechnung stellt. Der ausgewiesene Betrag wird geschuldet und muss an das Finanzamt abgeführt werden.

Der Vorsteuerabzug aus derartigen i. S. von § 14c UStG unrichtigen Rechnungen wird, aus Gründen der Praktikabilität, gewährt.

Die o. g. Angaben gelten für die Steuer nach § 13b UStG entsprechend.

  • Gutscheine

Grds. ergibt sich der geltende USt-Satz aus der Lieferung oder Leistung, für welche der Gutschein (Preisnachlass- und Preiserstattungsgutschein) eingelöst wurde.

Für Einzweck-Gutscheine ist weiterhin die Ausgabe des Gutscheins an den Kunden der maßgebliche Zeitpunkt für die Besteuerung.

  • Erstattung von Pfandbeträgen

Die Rückzahlung von Pfandbeträgen stellt eine Entgeltminderung dar. Die geschuldete USt ist zu berichtigen. Zur Vereinfachung wird im BMF-Schreiben folgendes vorgesehen:

Bei der Erstattung von Pfandbeträgen in der Zeit vom 1. Juli 2020 bis zum 30. September 2020 ist die USt, soweit die zugrundeliegenden Umsätze dem allgemeinen Steuersatz unterliegen, nach dem bis zum 30. Juni geltenden Steuersatz zu berichtigen (19 % bzw. 7 %).,

Bei der Erstattung von Pfandbeträgen nach dem 30. September 2020 ist die USt nach dem ab dem 1. Juli 2020 geltenden Steuersatz zu berichtigen (16 % bzw. 5 %).

  • Gewährung von Jahresboni, Jahresrückvergütung u. ä.

Grds. ist ein Nachweis zu erbringen, aus dem hervorgeht, wie sich die gemeinsame Entgeltminderung auf die Umsätze in den beiden Zeiträumen (bis zum 30.06.2020; ab dem 1.7.2020) verteilt.

Zur Vereinfachung wird im BMF-Schreiben vorgesehen, die folgenden Aufteilungsmaßstäbe nicht zu beanstanden:

    • Aufteilung nach dem Verhältnis der Umsätze vor und nach dem Stichtag
    • Aufteilung 50/50, unabhängig davon, wann die zugrundeliegenden Umsätze ausgeführt wurden

Des Weiteren soll nicht beanstandet werden, wenn keine Aufteilung der Entgeltminderung erfolgt und der Unternehmer der Steuerberichtigung nach §17 Abs. 1 S. 1 UStG ausnahmslos den allgemeinen Steuersatz von 19% zugrunde legt.

  • Strom-, Gas-, Wasser-, Kälte- und Wärmelieferungen sowie Abwasserbeseitigung

Enden Ablesezeiträume zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 31. Dezember 2020, sind grds. die Lieferungen des gesamten Ablesezeitraums dem Umsatzsteuersatz von 16 % zu unterwerfen. Dies gilt jedoch nur, soweit Ablesezeiträume vor dem 1. Juli 2020 nicht gesondert abgerechnet werden.

Zur Vereinfachung wird es nicht beanstandet, wenn Rechnungen über Abschlagszahlungen, die nach dem 30. Juni 2020 und vor dem 1. Januar 2021 fällig werden nicht berichtigt werden. Die ausgewiesene Umsatzsteuer wird geschuldet und ist an das Finanzamt abzuführen. Ferner ist in der Endabrechnung die Umsatzsteuer entsprechend der allgemeinen Grundsätze zur befristeten Umsatzsteuersenkung zu korrigieren. Sofern vorsteuerabzugsberechtigte Kunden aus den Abschlagsrechnungen einen Vorsteuerabzug von 19 % bzw. 7 % geltend machen, wird dies unter Beachtung der vorangegangenen Erläuterungen ebenfalls nicht beanstandet.

  • Gastronomie und Hotellerie

Neben der allgemein geltenden befristeten Umsatzsteuersenkung hat die Bundesregierung die Senkung der Umsatzsteuer für nach dem 30. Juni 2020 und vor dem 1. Juli 2021 erbrachte Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen, mit Ausnahme der Abgabe von Getränken, von 19% auf 7% abgesenkt. Für den Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis 31. Dezember 2020 ist jedoch auch für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen die Senkung auf 5% gültig.

  • Umtausch von Gegenständen

Beim Umtausch wird die ursprüngliche Lieferung rückgängig gemacht und es kommt eine neue Lieferung zustande. Für die neue Lieferung gilt demnach der zum Zeitpunkt der Lieferung allgemein geltende Steuersatz.

Den Überblick behalten: Rechtliche Informationen rund um die Corona-Pandemie

Mit diesem Beitrag geben wir Ihnen einen zusammengefassten Überblick über die wichtigsten Neuregelungen des Zivilrechts und Insolvenzrechts mit Blick auf die Corona-Pandemie. So wollen wir Ihnen eine Grundlage für richtungsweisende Entscheidungen in Ihrem Unternehmen bieten. Kontaktieren Sie uns gerne bei konkreten Fragen. Wir arbeiten mit Ihnen an einer Lösungen für sich Ihnen präsentierende Herausforderungen.

Mietrecht

Vermieter können Mietverträge nicht allein deshalb kündigen, weil der Mieter im Zeitraum vom 01.04.2020 bis zum 30.06.2020 die Miete nicht leistet, wenn dies auf den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beruht. Die Aussetzung des Kündigungsrechts gilt bis zum 30.06.2022. Dies gilt für sämtliche Mietverhältnisse über Grundstücke oder Räume.

Wir haben in unserer Beratungspraxis festgestellt, dass sowohl Vermieter als auch Mieter vielfach davon ausgehen, aufgrund der COVID-19-Pandemie müssten auch die Mieten vorerst nicht gezahlt werden. Dies ist unzutreffend. Die Zahlungspflichten werden durch das „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz-  und Strafverfahrensrecht“ nicht berührt. Es können sich aber aus den allgemeinen Gesetzen Einschränkungen der Mietzahlungspflicht ergeben, wenn der Mietgegenstand – bspw. ein für den Einzelhandel bestimmtes Geschäftslokal – aufgrund der Pandemie faktisch nicht mehr genutzt werden kann oder wenn bei einer umsatzabhängigen Miete oder Pacht die Umsätze verringert sind.

Verbraucher und Kleinstunternehmer

Verbraucher haben das Recht, Leistungen aus Dauerschuldverhältnissen, die vor dem 08.03.2020 abgeschlossen wurden, bis zum 30.06.2020 zu verweigern, wenn infolge der Pandemie die Leistung den angemessenen Lebensunterhalt des Verbrauchers oder seiner Angehörigen gefährden würde. Dies gilt für alle Dauerschuldverhältnisse, die zur Eindeckung mit Leistungen der angemessenen Daseinsvorsorge erforderlich sind.

Kleinstunternehmer haben ebenfalls grundsätzlich das Recht, Leistungen aus Dauerschuldverhältnissen, die vor dem 08.03.2020 geschlossen wurde, bis zum 30.06.2020 zu verweigern, wenn der Unternehmer die Leistung überhaupt nicht oder jedenfalls nicht erbringen kann, ohne dass die wirtschaftlichen Grundlagen seines Erwerbsbetriebs gefährdet werden. Dies gilt für alle Dauerschuldverhältnisse, die zur Eindeckung mit Leistungen zur angemessenen Fortsetzung des Erwerbsbetriebs erforderlich sind.

Bei Verbraucherdarlehensverträgen aus der Zeit vor dem 15.03.2020 werden Ansprüche des Darlehensgebers auf Rückzahlung, Zins- oder Tilgungsleistungen, die zwischen dem 01.04.2020 und dem 30.06.2020 fällig werden, grundsätzlich für die Dauer von drei Monaten gestundet, wenn dem Verbraucher aufgrund von Einnahmeausfällen die geschuldete Leistung nicht zumutbar ist. Die Vertragslaufzeit verlängert sich dann grundsätzlich um drei Monate. Zudem sind Kündigungen durch den Darlehensgeber aufgrund von Zahlungsverzugs oder der wesentlichen Verschlechterung der Vermögenssituation des Verbrauchers vom 01.04.2020 bis zum 30.06.2020 ausgeschlossen.

Insolvenzrecht

Die Insolvenzantragspflicht des Schuldners wird vom 01.03.2020 bis zum 30.09.2020 ausgesetzt, es sei denn, die Insolvenz beruht nicht auf den Auswirkungen der Corona-Krise oder es besteht keine Aussicht darauf, dass die Zahlungsunfähigkeit beseitigt werden kann. Gläubiger eines möglicherweise insolventen Unternehmens haben zwar weiterhin das Recht, einen Insolvenzantrag zu stellen. Ein Insolvenzverfahren wird aufgrund eines solchen Antrags aber nur eröffnet, wenn der Eröffnungsgrund bereits am 01.03.2020 bestanden hat.

Die Möglichkeit des Insolvenzverwalters zur Insolvenzanfechtung nach §§ 129 ff. InsO wird durch das Gesetz erschwert. Dies gilt insbesondere für Zahlungen zur Rückgewähr von Krediten, die ein Schuldner bis zum 30.09.2020 aufgenommen hat, sowie für vertragsgemäße Leistungen des Schuldners aufgrund von bereits bestehenden Verträgen. Diese Neuregelungen sind insbesondere für die Gläubiger von durch die Corona-Krise insolvenzbedrohten Geschäftspartnern vorteilhaft.

Gesellschaftsrecht

Das Gesetz beinhaltet zudem vorübergehende Erleichterungen, durch welche die Beschlussfassung bei Kapitalgesellschaften, Genossenschaften, Vereinen und Wohnungseigentümergemeinschaften weitgehend ohne physische Präsenz ermöglicht wird. Hierdurch sollen die sich aus den Beschränkungen der Versammlungsmöglichkeiten aufgrund der Pandemie ergebenden Hindernisse beseitigt werden.

Weiterführende Links und Hinweis

Vollständiger Wortlaut des Gesetzes: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/Dokumente/Bgbl_Corona-Pandemie.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Weitere Erläuterungen der Bundesregierung: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/Dokumente/Corona-Pandemie.pdf?__blob=publicationFile&v=3